Das Vereinigte Königreich nach dem Brexit ein „Datenparadies“?

Durch den Brexit steht das Vereinigte Königreich an einem Scheideweg, auch im Bezug zur Datenverarbeitung. Das Land muss sich entscheiden, wo es im Umgang mit dem Datenschutz steht: Wird es die Datenschutzbestimmungen lockern oder wird es das Recht seiner Bürger auf Privatsphäre weiterhin garantieren?

Oliver Dowden, der digitale Sekretär schrieb, in der im September veröffentlichten nationalen Datenstrategie, dass „Daten und Datennutzung als Chancen angesehen werden, die es zu nutzen gilt und nicht als Bedrohungen, vor denen man sich schützen muss.“ Obwohl die Zukunft in Richtung von mehr Privatsphäre geht, scheint nicht weniger diese Stellungnahme eher auf eine Lockerung der Maßnahmen zu weisen, sowie auf die Möglichkeit das Vereinigtes Königreich als Land mit schlechte Datenschutzregelungen. Dieses wäre bedauerlich, da diese Länder typischerweise entweder unterentwickelte oder autoritäre Länder sind. Selbst die Vereinigten Staaten diskutieren derzeit über Datenschutzgesetze auf Bundesebene.

Laut Aussage von Carissa Véliz in einem Guardian Artikel, gibt es noch eine dritte Möglichkeit. Das Vereinigte Königreich könnte sich zu einem Datenparadies entwickeln, sowie einige Länder Steuerparadiese sind.

Ein Datenparadies wäre ein Land, das in „Datenwäsche“ involviert ist, in dem es akzeptiert unrechtmäßig erhaltene Daten zu hosten (z.B. ohne Einwilligung oder Sicherheitsmaßnahmen) und diese dann in scheinbar akzeptable Produkte umwandelt.

Daten, die in Datenparadies gehostet werden, könnten auch für illegitime oder fragwürdige Zwecke (z.B. für Entwicklung von Spyware, wie Gesichtserkennungsalgorithmen) genutzt werden. Datenwäsche würde bedeuten, dass das Vereinigte Königreich Unternehmen und Regierungen auf der ganzen Welt gegen Geld erlauben könnte, ihre schmutzige Datenarbeit unter seinem Schutz zu verrichten. Eine Entwicklung Großbritanniens zu einem Datenparadies könnte sich zu einer Katastrophe für die Privatsphäre entwickeln, die zu einem enormen finanziellen und Reputationsschaden für Großbritannien führen könnte.

Wenn das Vereinigte Königreich die Privatsphäre nicht ernst nimmt, wird es hinter den Rest der entwickelten Welt zurückfallen, ähnlich wie bei seinem ersten katastrophalen Versuch einer App zur Kontaktverfolgung, die die Privatsphäre nicht ausreichend schützte. Im Gegensatz zu dem, was die nationale Datenstrategie zu suggerieren scheint, ist Pro-Privatsphäre zu sein Pro-Technologie, denn es gibt keine Zukunft in der Technologie, die die Privatsphäre unsicher macht. Technologie, die die Privatsphäre nicht respektiert, wird nur zu einem Verlust an Vertrauen und Zusammenarbeit auf Seiten der Bürger als auch auf Seiten internationaler Partner führen. Außerdem müssen wir uns nicht zwischen Privatsphäre und Spitzentechnologie entscheiden. Es gibt Möglichkeiten, KI und andere Technologien zu entwickeln, die die Privatsphäre respektieren.
Die britische Regierung hat nicht auf Datenschutzexperten gehört, als diese warnten, dass das Design der ersten App zur Kontaktverfolgung eine schlechte Idee sei. Wird sie den Datenschutz in Zukunft ernst nehmen?